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Microgrid-Anwendung

3. Installation

In diesem Abschnitt:

Warnung

Microgrid-Systeme mit einer oder mehreren Victron Power Banks sind hochentwickelte Stromversorgungssysteme, deren Komplexität die von herkömmlichen Parallel- oder Mehrphasenanlagen übersteigt. Die Installation und Inbetriebnahme dürfen ausschließlich von geschulten und erfahrenen Fachkräften durchgeführt werden.

Überprüfen Sie vor dem ersten Einschalten sorgfältig alle Wechselstrom- und Gleichstromverkabelungen. Fehler bei der Verkabelung können zu Geräteschäden und unsicheren Betriebsbedingungen führen.

Jede Victron Power Bank in einem Microgrid-System kann weitgehend nach den bewährten Prinzipien eines standardmäßigen VE.Bus-Wechselrichter-/Ladesystems oder einer Anwendung mit dem externen Transferschalter MultiPlus / MultiPlus-II ausgelegt werden.

Jede Power Bank:

  • Kann als einphasiges oder mehrphasiges Wechselrichter-/Ladesystem konfiguriert werden.

  • Kann mehrere Wechselrichter/Ladegeräte pro Phase parallel schalten.

  • Ist an eine gemeinsame Batteriebank angeschlossen, die einen gemeinsamen Gleichstrombus bildet.

  • Kann ein GX-Gerät zur Überwachung und Steuerung umfassen.

Alle Wechselrichter/Ladegeräte innerhalb einer Power Bank müssen über VE.Bus miteinander verbunden sein.

Wichtig

Es besteht kein VE.Bus-Anschluss zwischen verschiedenen Power Banks.

3.1. Anschluss der Wechselstromverkabelung

Der Microgrid-Wechselstrombus ist mit dem Wechselstromeingang der Wechselrichter/Ladegeräte verbunden:

  • Verwenden Sie für MultiPlus und MultiPlus-II den AC-IN-Anschluss.

  • Verwenden Sie für Quattro und Quattro-II den AC-IN-2-Anschluss.

  • Beachten Sie bei der Konfiguration eines externen Transferschalters die folgenden Hinweise.

Dieser Wechselstromanschluss dient als Schnittstelle zum gemeinsamen Microgrid-Bus und wird im Hybrid-Statik-Modus sowohl zur Einspeisung als auch zur Stabilisierung des Wechselstromsystems genutzt.

Wichtig

AC-OUT-1 und AC-OUT-2 werden in dieser Anwendung nicht verwendet und müssen unverbunden bleiben.

Kombination von Microgrid mit Funktion für externen Transferschalter

Der Einsatz eines externen Transferschalters wird in Microgrid-Systemen unterstützt, und es ist zulässig, das Schütz entweder über den AC-IN- oder den AC-OUT-Anschluss mit Strom zu versorgen.

Dazu sind Wechselrichter/Ladegeräte erforderlich, auf denen eine Firmware mit der Versionsnummer s98 (anstelle der Firmware s97) läuft. Einzelheiten zur Auswahl und Einrichtung der Firmware finden Sie im Kapitel Konfiguration.

Bei der Implementierung eines externen Transferschalters in einem Microgrid-System sind die folgenden zusätzlichen Aspekte zu beachten. Die Stromquelle des externen Transferschalters wirkt sich unmittelbar auf das Systemverhalten aus:

  • Wenn der externe Transferschalter über den AC-IN-Anschluss mit Strom versorgt wird, kann das System das Microgrid nicht aus dem Schwarzstart hochfahren.

  • Wenn der externe Transferschalter über den AC-OUT-Anschluss mit Strom versorgt wird, ist ein Schwarzstart möglich. Das System stellt jedoch keine Verbindung zum Microgrid her, wenn die Batterien vollständig entladen sind.

Um sowohl einen Schwarzstart als auch einen Start mit vollständig entladener Batterie zu ermöglichen, muss eine technische Lösung implementiert werden, die sicherstellt, dass der externe Transferschalter unabhängig vom Batteriezustand oder dem Zustand des Wechselstrombusses stets mit Spannung versorgt werden kann.

Das Versorgungskonzept des externen Transferschalters muss daher beim Systemaufbau sorgfältig berücksichtigt werden.

3.2. Konfiguration der DIP-Schalter

Bei einigen Wechselrichter-/Ladegerätemodellen ist es erforderlich, den DIP-Schalter manuell umzustellen, um den Microgrid-Betrieb (Hybrid-Statik) zu ermöglichen.

Standardmäßig schließen diese Geräte das interne Relais für den Wechselstromeingang erst, wenn an AC IN eine Spannung anliegt. Für den Microgrid-Betrieb muss dieses Verhalten außer Kraft gesetzt werden, damit das Gerät das Relais am Wechselstromeingang auch dann schließen kann, wenn am Wechselstromeingang keine Spannung anliegt.

Dies gilt für:

  • MultiPlus 5000VA und größer (ausgenommen das 20-k-Modell)

  • Quattro 3000VA und größer

Stellen Sie den DIP-Schalter „S2“ auf der Anschlussplatine auf EIN (Schalter in der oberen Position).

Für die Baureihen MultiPlus 2000 VA, MultiPlus 20000 W, MultiPlus-II und Quattro-II ist keine derartige Änderung erforderlich.

Beachten Sie die markierte Stelle auf dem folgenden Foto.

Microgrid_dip_switch.png

3.3. Dreiphasensysteme und Erdungskonzept

In dreiphasigen Microgrid-Systemen:

  • L1, L2 und L3 aller Power Banks sind mit den entsprechenden Phasen des gemeinsamen Wechselstrombusses verbunden.

  • Über den gesamten Wechselstrombus des Microgrid muss ein gemeinsamer Nullleiter verlegt werden.

Im Microgrid-Betrieb wird der Neutralleiter des Wechselstrombusses von den Wechselrichtern/Ladegeräten nicht intern mit der Schutzleiter verbunden. Das System arbeitet daher mit einem potentialfreien Neutralleiter, sofern keine externe Verbindung zwischen Neutralleiter und Erdung hergestellt wird.

Falls die Installation ein festgelegtes Erdungssystem erfordert, muss die Verbindung zwischen Neutralleiter und Erde im Microgrid-System an nur einer Stelle extern hergestellt werden – in Übereinstimmung mit den örtlichen Vorschriften und den Anforderungen an den Systemaufbau.

Achtung

Die Ausarbeitung eines geeigneten Erdungs- und Schutzkonzepts liegt weiterhin in der Verantwortung des Anlagenplaners.

3.4. Dreiphasige Lastverteilung

Es wird empfohlen, die Lastleistungsdifferenz zwischen den Phasen auf maximal 30 % der maximalen Leistung einer Phase zu begrenzen.

Wenn die Differenz größer ist, entsteht eine Spannungsdifferenz zwischen den Phasen.

Das Microgrid wird trotz dieser Spannungsdifferenz weiterhin funktionieren, allerdings können einige dreiphasige Lasten möglicherweise nicht ordnungsgemäß arbeiten.

3.5. Verkabelungsbeispiel

Microgrid_line_diagram.png